VON EISEN AUF BARHUF – PROBLEME BEI DER UMSTELLUNG

(Diese Fotos zeigen den Bockhuf eines Pferdes vor Therapiebeginn vor und nach der Eisenabnahme. Der Huf wurde über Jahre mit einem orthopädischen Beschlag beschlagen. Es handelt sich um ein “halbes Eisen”/ Halbmondeisen/ halbmondförmiges Eisen mit Platte. Auf dem Röntgenbild wurde sichtbar, dass das Hufbein fast senkrecht steht und die Gefahr eines Hufbeindurchbruchs besteht. Die Platte sollte verhindern, dass das Hufbein durchbricht. Der Huf ist stark deformiert und “viel zu lang”.)

Fragen/ Sorgen besorgter Pferdebesitzer

Mein Pferd kann nicht barhuf laufen!
Mein Pferd läuft auf der Sohle!
Die Hufe brechen aus!
Mein Pferd läuft so fühlig!
Mein Pferd lahmt!
Mein Pferd bekommt Hufgeschüre/ Abszesse!
Barhuf ist Blödsinn!

Solche und ähnliche Aussagen von besorgten Pferdebesitzern sind bekannt. Tatsächlich ist ein „übergangsloser“ Wechsel von Eisen auf Barhuf manchmal nicht möglich.
Warum die Ursache für die Hufprobleme in der Übergangszeit nicht das „natürliche Barhuflaufen“ sondern die „Ausleitung“ der Schädigungen, die  während der Zeit des künstlichen Hufbeschlags entstanden sind, ist nachfolgend erklärt:

Natural Hoof Care – Physiologische korrekte Hufbearbeitung

In freier Wildbahn stellen sich die Pferdehufe auf ihre Beanspruchung ein. Felsen, Steine, Moorlandschaften, 25-30 km täglich unterwegs zur Nahrungsaufnahme usw. usw.  Trotzdem sind dort Hufkrankheiten kaum vorhanden. Die Hufe werden täglich hart “trainiert”, wachsen und nutzen sich ab. So wird ein gesunder Huf erhalten.
„Zuhause“ gibt es heute kaum noch eine Abnutzung, da den Pferden die Lebensbedingungen der freien Wildbahn fehlen.
Die natürliche Abnutzung/ der Abrieb muss daher durch den Hufpfleger/ Hufschmied nachgeahmt und hergestellt werden.
Natürliche Hufpflege setzt eine natürliche/ artgerechte Haltung im Ofenstall/ Paddocktrail mit abwechslungsreichem und auch festen Untergrund voraus, damit die Pferde über alle festen Untergründe geritten werden können. Die Hufe müssen sich trainieren.

Hufeisen – der künstliche Hufschutz

Hufeisen verhindern den Hornabrieb, die natürliche Funktion, die Produktion gesunden Horns und den Mechanismus des Hufes. Die Hufe passen sich der durch Eisen und Hufnagel vorgegebenen Form an und werden dabei quasi „stillgelegt“. U.a mindert dies die Durchblutung. Weniger Durchblutung bedeutet weniger oder ein taubes Gefühl in den Hufen und die Produktion schlechter Hornqualität..
Im Umkehrschluss ist der Hufbeschlag ein künstliches Instrument, die Funktion „Reitpferd“ mit einfachsten Mitteln zumindest für einen gewissen Zeitraum zu gewährleisten. Hufbeschlag ist damit eher eine Funktionsgarantie und keine Aussage über den Gesundheitszustand der Hufe.
Pferde mit künstlichen/ beschlagenen Hufen können artfremd in Boxen gehalten werden, wenig Bewegung haben und ständig auf weichem Untergrund stehen. Da die Hufe taub sind, laufen die Pferde beim Reiten trotzdem problemlos auf hartem Boden. Bekommen beschlagene Pferde Probleme und die Eisen halten nicht mehr, ist davon auszugehen, dass die Hufe im Inneren bereits deutlich geschädigt sind, Entzündungen vorhanden sind und/ oder das Pferd schon sehr starke Schmerzen hat. Mit orthopädischen Beschlägen oder der Anwendung von „Chemie“ bleiben die Pferde manchmal noch eine ganze Zeit nutzbar, weil Symptome unterdrückt werden.

Die Übergangszeit

Durch Hufeisen stillgelegte Hufe müssen wieder lernen, sich der natürlichen barhufigen Situation anzupassen.
Ein Huf benötigt ca. 10 – 12 Monate, um einmal komplett von oben nach unten durchzuwachsen. Solange kann es dauern, bis „gutes, tragfähiges“ Horn unten ankommt, die Hufe nicht mehr ausbrechen und eine dünnere Sohle wieder dicker wird.
Durch die einsetzende bessere Durchblutung und den Hufmechanismus nach Eisenabnahme (Hufe verbreitern sich beim Aufsetzen im Trachtenbereich) nehmen die Pferde Empfindungen im Huf wahr, die vorher nicht da waren.
Die Pferde laufen dadurch erst einmal „fühlig“; bei besonders lang beschlagenen oder geschädigten bzw. deformierten Hufen kann es zu weiteren Begleiterscheinungen wie anfänglichen  Lahmheit oder Abszessen kommen. Diese Übergangszeit ist in der Regel mit Hufschuhen sehr gut zu bewältigen.

Danach wird es Ihnen Ihr Pferd danken!